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Vor über 5000 Jahren entwickelten die Chinesen eine Methode, Seide zu gewinnen. Schon bald war dieses Ausgangsmaterial für feinste Stoffe bei den Reichen und Schönen auch über Chinas Landesgrenzen hinaus hoch begehrt. Dennoch gelang es den Chinesen sehr lange Zeit, das Geheimnis der Herkunft des Seidenfadens erfolgreich für sich zu behalten.
Zur Geheimniskrämerei trug auch bei, dass sich die Seidenhersteller selber auch als Seidenspinner bezeichneten, während Raupen gleichen Namens sozusagen die Vorarbeit leisten. Die Seidenspinner-Raupen produzieren ihrer Natur gemäß die feinen Seidenfädchen von ganz alleine. Der Trick bestand darin, sie dazu zu bringen, mehr davon herzustellen. Durch genaue Beobachtung der fleißigen Tierchen fanden die Züchter heraus, wie das befördert werden kann. Da die Seidenspinner besondere Produktivität hinsichtlich Fadenlänge entwickeln, wenn sie ganz junge Maulbeerbaumblätter fressen können, bestand die Beeinflussung darin, das Schlüpfen der Jungraupen aus den Eiern durch kühle Lagerung bis genau zu diesem Zeitpunkt hinauszuzögern.
Begann im Frühjahr der Maulbeerbaum neue Blätter zu treiben, kam der Raupennachwuchs ins Warme und konnte synchron mit dem frischen Blattaustrieb schlüpfen. Auf die Frischblätter ganz besonders scharf, futtern die Jungraupen diese in sich rein, bis sie dick und rund sind. Sattgefressen, beginnen sie dann, sich zu verpuppen. Mittels einer besonderen körpereigenen Drüsenflüssigkeit stellen sie ihren schlafsackähnlichen Kokon her. An der Luft erstarrt diese Flüssigkeit zu hauchzarten Fäden - ein einzelner Faden kann bis zu 4000 m lang werden. Damit sie besseren Halt beim Einspinnen haben werden sie auf Stroh oder gitterartige Gestelle gelegt.
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Entwicklung des Seidenspinners
01 - Maulbeerbaumblätter 02 - eierlegender Schmetterling 04 + 5 - versch. Stadien der Raupe 06 - ausgewachsene Raupe 07 - Kokon 08 - schlüpfender Schmetterling 09 - Männcheh 10 - Weibchen 11 - sogenannte Spinnhütte 12 - Gelbspinner 13 - Weißspinner 14 - Grünspinner 15 - Doppelkokon 16 - Kokon 17 - Kokon nach Entfenen der Florettseide 18 - abgehaspelter Kokon 19 - Kokon mit Flügloch
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Naturgemäß würden 14 Tage nach der Verpuppung die Schmetterlinge aus den Kokons schlüpfen. Das aber gesteht man nur einigen wenigen, zum Zweck der Fortpflanzung, um die die weitere Zucht auf der Raupenfarm zu sichern. Die Kokons aller anderen werden zur Gewinnung des Seidenfadens benötigt. Dazu werden diese zuerst heißer Luft oder heißem Wasserdampf ausgesetzt (also getötet) und dann in siedendes Wasser getaucht, um sie aufzuweichen. Die äußere Schicht - die sogenannte Flock- oder Florettseide - wird anschließend mit einer weichen Bürste vorsichtig entfernt. Danach sucht man den Anfang des eigentlichen Seidenfadens und rollt ihn zusammen mit 6-8 Fäden ab, was abhaspeln genannt wird. Heutzutage erledigen das Abhaspelmaschinen. Als letzter Arbeitsschritt werden drei bis acht dieser hauchfeinen weißlichen, gelblichen oder grünlichen Fäden miteinander zu einem festeren Faden verdrillt - fertig ist die Rohseide. Aber auch wenn das einfach klingt, ist die Aufbereitunges doch sehr zeitaufwendig. Die toten Puppen werden noch zu Kosmetika, Medikamente und Tierfutter verarbeitet, da sie wertvolle Öle und Vitamine enthalten.
Um ein 1 kg Rohseide herzustellen benötigt man die unglaubliche Menge von 45.000 Kokons !!

Seide war unheimlich kostbar und lange Zeit nur für die gut "Betuchten" erschwinglich. Die Chinesen bewachten ihr Seidengeheimnis sehr streng und lange, so dass es erst vor ca. 1400 Jahren gelang, Seidenspinneier und Maulbeersamen zunächst in den Orient und später nach Europa zu schmuggeln. Allerdings eignen sich eher kühle Länder nicht besonders für die Seidenzucht, da es die Raupen für ihr gutes Gedeihen schön warm brauchen.
 
Durch die glatte Oberfläche der Seide weist sie Feuchtigkeit besser ab als andere textile Rohstoffe. Seide ist leicht, glänzend und sehr dehnbar. Sie kühlt an warmen Tagen den Körper, schützt ihn aber auch bei leichtem Wind. Im Rohzustand ist sie weiß oder leicht gelblich, wodurch sie sich gut färben lässt. Aus Seide wird nicht nur Kleidung hergestellt sondern auch Teppiche, Bettwäsche, Tischdecken und Flugdrachen. Seidenfäden werden auch zum Sticken verwendet.
Naturseide ist nicht zu Verwechseln mit der Kunstseide. Letztere besteht aus Viscose, Nylon, Acryl und Polester und wird chemisch hergestellt.
Die Seidenstraße. Auf dieser 10.000 km langen Handelsroute wurde die Seide in die Häfen von Syrien transportiert. Der Weg verlief durch China, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmensistan, Kasachstan, Iran und Syrien und es lässt sich nicht genau festlegen, wann diese Route ganz genau ents tand. Viele bringen die Geburtsstunde der Seidenstraße mit Alexander dem Großen in Verbindung, der 327 v.Chr. in dieser Gegend umherzog. Mit ihrem wertvollen Gut waren die Karawanen ständig dem Risiko eines räuberischen Überfalls ausgesetzt. Natürlich wurde nicht nur Seide auf der Seidenstraße transportiert.
 
1625 Gründung der ersten Seidenmanufaktur in Bayern
1748 Gründung der ersten Seidenmanufaktur in Berlin
Heute gibt es noch die Seidenmanufaktur Eschke in Sachsen, die aus der Seidenweberei von 1868 hervorgegangen ist und sich auf die Rekonstruktion von alten Damaststoffen spezialisiert hat.

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