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Schwangerschaft und Geburt bei den Ainus in Ostasien |
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Es ist nicht selten, dass die heranwachsenden Ainus schon vor ihrer Ehe sexuellen Umgang mit dem anderen Geschlecht haben. Dabei fürchten sie sich jedoch nicht vor einer ungewollten Schwangerschaft, da sie der Überzeugung sind, dass es dazu einer längeren Partnerschaft bedarf, obwohl sie über die Fortpflanzung aufgeklärt sind.Sobald eine Frau weiß, dass sie ein Kind unter ihrem Herzen trägt, gibt sie für ihren Mann und ihre Eltern ein Fest. Als Opfergaben für die Feuergöttin werden Fetischstöcke aus Weidenholz geschnitzt. An jeder Stockspitze hängt ein Büschel aus Hobelspäne. Die Verwandten beten für das Wohlergehen der Frau. Die Schwangere darf nun weder Spinnen noch Vogel- und Hummerfleisch verzehren.
Bei der Geburt dürfen nur weibliche Verwandte anwesend sein. Die Gebärende nimmt nun entweder eine Hockstellung auf dem Boden ein oder legt sich auf die Seite. Ist es eine langsame Geburt, massieren die beiwohnenden Frauen sie mit Seetang oder einer Feldermaus, drücken ihr auf dem Unterleib oder schwingen ihre Füße hoch und runter.
Der werdende Vater nimmt in einer besonderen Art und Weise an der Geburt seines Kindes teil, wenn auch nicht räumlich nah. Er wird kränklich und mürrisch, krümmt sich zusammen und muss sich an unzählige Tabus halten.
Wie die Mutter dem Kind Körper und Leben gibt so gibt ihm der Vater Seele und Geist.
Während die Mutter nach fünf Tagen wieder aufsteht und ein Fest veranstaltet wird, dauert der erschöpfende Zustand beim Ehemann zwölf Tage an, die er in Ruhe verbringen soll. Dies wird auch als Couvade bezeichnet.
Ist das Kind auf die Welt gekommen, ist es die Aufgabe des Vaters oder Großvaters an den Fluss zu gehen und zu beten. Außerdem schnitzt er für das Neugeborene einen persönlichen Fetisch aus Weidenholz und steckt ihn in ein aus Holzstäbchen angefertigtes Kissen. Man stellt es am Tragbett des Kindes auf, wo es das Kind sein Leben lang bewachen und beschützen soll. Das Tagbett kann an seinen Seilschlaufen sowohl in der Hütte sowie außen an einem Dreifuß oder Ast aufgehängt werden.
Vgl. Primitive Völker heute, Edward Weyer, Bertelsmann Verlag, 1959, S.209-211
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