auf den Trobriand-Inseln / Papa-Neuguinea und in Melanesien
Die Trobrianer glauben daran, dass ihre Frauen von Balomas, das sind wiedergeborene Geister der Verstorbenen, befruchtet werden und sie die wahren Väter der Kinder sind. Die Ehemänner bereiten lediglich die Vagina der Frau für das Eindringen der Geister vor. Zumindest ist das ihre Erklärung, warum Frauen nie vor ihrem ersten Geschlechtsverkehr schwanger werden. Sie sind davon überzeugt, dass der Ehemann dem Kind durch den Beischlaf seine Gesichtszüge aufdrückt. Dadurch kann der Mann auch eine Zuneigung zu dem Kind seiner Frau empfinden.
Bekommt eine Frau zum ersten Mal ein Kind, trägt sie einen Saykeulo, so nennt man die Schwangerschaftsmäntel, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt von der werdenden Mutter getragen werden. Sie werden von den Verwandten der Schwangeren angefertigt, welche dabei magische Formeln in die Fasern sprechen, damit die Geburt glücklich verläuft. Zum Dank für ihre Mühe müssen die Verwandten später mit einem Segali (auch: Sagali), einem festlichen Essen, bezahlt werden. Das Essen wird in Protionen aufgeteilt und ist einzelnen Personen zugeordnet, deren Name laut ausgerufen wird. Anschließend erhalten die Verwandten, die die Schwangerschaftskleidung gefertigt haben, das Essen. Nicht selten bereitet der Vater des Ungeborenen ein spezielles Essen, bzw. sucht wertvolle Nahrung aus und legt sie Frauen, die für ihre schwarzmagischen Kräfte bekannt sind, vor ihre Hütten, um die negativen Zauber von der Schwangerschaft abzuwenden. Dieses Ritual hat aber nichts mit dem Segali zu tun. Bevor die schwangere Frau die Kleidung anlegt, muss sie sich einer rituellen Waschung an einer Wasserstelle unterziehen. Um den Boden nicht zu berühren, wird sie von zwei Frauen dorthin getragen und während der Reinigungsprozedur steht sie auf einer Pflanzenfasermatte. Anschließend wird sie weiß gepudert. Die Frau verweilt dann den Rest des Tages auf einer Plattform. Sie darf während dieser Zeit nicht sprechen und keine Gefühle zeigen. Das Essen und Trinken bekommt sie gefüttert, damit sie die Speisen nicht mir ihren Händen berührt. Nur um sich das Gesicht und die Arme zu waschen und zu schrubben, darf sie sich bewegen. Dazu wird ihr entweder Wasser von ihrem Ehemann in einem Holzzuber gebracht oder Frauen tragen sie wieder zur rituellen Wasserstelle. Am Abend darf sie sich dann in die Hütte ihres Vaters legen und erholen. Dieses Prozedere der Unbeweglichkeit und des Schweigens auf der Plattform wird drei bis fünf Tage wiederholt, je nach Rang und Stellung der Frau und ihres Ehegattens in der Gemeinschaft. Heutzutage wird ein Tag oft als ausreichend betracht. Letzteres zeigt den Männern an, dass sie keinen Umgang mehr mit dem männlichen Geschlecht hat. Außerdem schützt der Mantel vor der heißen Sonne und lässt ihre Haut heller werden.
Wird die Frau runder im Verlauf ihrer Schwangerschaft, darf sie keinen Geschlechtsverkehr mehr mit ihrem Mann haben, da die Inselbewohner der Meinung sind, dass der Penis das Ungeborene töten würde.
Ansonsten verläuft das Leben der schwangeren Frau wie gewohnt weiter, sprich sie kocht, sorgt für den Haushalt, geht Wasser holen,macht das Feuer und arbeitet weiterhin im Garten. Sie schützt ihren Körper vor Sonneneinstrahlung und ölt ihn täglich mit Kokosnussöl ein. Auch wäscht sie sich sehr oft.
Die letzten zwei bis drei Monate verlässt sie ihren Ehemann und zieht in das Heim ihres Vaters oder des Bruders ihrer Mutter. Diese sollen die Schwangere vor bösem Zauber schützen. Fühlt die Frau die Geburt nahen, verlassen die männlichen Angehörigen das Haus. Die Gebärende hockt sich auf das erhöhte Bett unter dem ein Feuer entzündet wird. Das dient dem Zweck, das Blut flüssiger zu machen. Setzten die Presswehen ein, stellt sich eine Angehörige, meist eine Schwester, hinter die Schwangere und schlägt ihr auf die Schulter, drückt sie herunter und schüttelt sie heftig. Das soll den Geburtsprozess beschleunigen. Die Mutter der Kreißenden wartet unterdessen, um das Baby in Empfang zu nehmen. Der Geburt wird nicht manuell nachgeholfen. Es wird also nicht herausgezogen. Die Gebärende versucht lediglich durch Anhalten der Luft, die Luft auf ihren Unterleib zu drücken. Erst wenn das Baby auf die Matte "gefallen" ist, wird es in Empfang genommen. Ist die Geburt außergwöhnlich anstrengend, wird das bösen Kräften zugeschrieben und es wird jemand herbeigeholt, der den heilenden Spruch zum Abwenden des Übels kennt.Hierbei wird die gebärende Frau mit den Blätter der Kwebila-Pflanze abgerieben, die vorher mit Zaubersprüchen besprochen wurden. Nur in den allerschwersten Fällen wir manuell nachgeholfen, das aber meist sehr dilettantisch.
Kommt die Nachgeburt nicht von allein heraus, wird ein Stein an das Nabelende der Mutter gebunden, Sprüche werden aufgesagt und die Frau soll sich hinstellen, damit die Nachgeburt herausrutscht. Hat auch dies kein Erfolg, ist die Frau verloren, da die Trobrianer keine Ahnung haben, wie die Nachgeburt manuell entfernt werden kann.
Drei Tage nach der Geburt des Kindes entfernt eine angehörige Frau der Mutter die Nabelreste des Säuglings und diese werden zusammen mit der Nachgeburt im Garten vergraben, da sie daran glauben, dass das Kind dadurch ein guter Gärtner wird.
Die Mutter des Babys erholt sich für ca. einen Monat in der elterlichen Hütte. Bald nach der Geburt wird ein Seil geknüpft und um die Brust der Mutter gewickelt.
Den ersten Monat verbringen Mutter und Baby auf der erhöhten Bettstatt, mit dem darunter brennenden Feuer. Dies geschieht teils aus hygienischen wie auch aus magischen Gründen. Dem Rauch wird eine unterstützende, prophylaktische Wirkung zum Abhalten von bösem Zauber zugesagt. So lange die Mutter auf dem Bett genest, sit es den Männern nicht erlaubt, die Hütte zu betreten, da die Frau nackt ist. Nach einem Monat erfolgt wiederum einen Zeremonie, die die Haut der Mutter noch weißer werden lassen soll. Dabei werden unter Beschwörungsformeln weiße Lilien und trockenes Holz verbrannt. Die Frau wird in den Rauch des schwelenden Bündels eingehüllt. Dies geschieht an zwei Tagen in Folge. Anschließend dreht die Frau mit ihrem Baby eine Runde im Dorf und erhält von ihren Freunden und Angehörigen kleine Essensgaben als Geschenk. Nun zieht sie sich in einer anderen Hütte wieder für einen Monat zurück.Während dieser Zeit dürfen sich die Eheleute nur flüchtig durch die Tür sehen und sprechen.Auf gar keinen Fall dürfen sie zusammen essen oder von der Speise des anderen anrühren.Sexueller Verkehr zwischen ihnen ist mindestestens bis zu dem Zeitpunkt, zu dem das Kind laufen gelernt hat, unerlaubt. Eine strengere Regelung schreibt vor, auf eheliche sowie außerehelichen Verkehr zu verzichten, bis das Kind der Brust entwöhnt ist, also wenn es ca. zwei Jahre alt ist. Dies gilt selbst dann, wenn der Mann mehrere Frauen besitzt. Wird diese Regel gebrochen, kann das nach dem Glauben dieser Inselbewohner den Tod des Kindes herbeiführen.
Quellen: 1. Abenteuer Südsee, Wolfgang M. Ebert, Umschau-Verlag, 1991, S.21-23 und S.85-86 2. The sexual life of savages in north-western Melanesia, Bronislaw Malinowski, 1.Publikation: 1929, Neuauflage: 2002, Routledge, ISBN 0-415-26248-8
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