Volksglaube in Sachen Geburt PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 08. September 2009 um 18:59 Uhr

Freude über den Neuankömmling - 1779, Kupferstich von D.  Chodowiecki


aus dem Wörterbuch der deutschen Volkskunde, 1974:

[...] Erst mit der Geburt des Kindes ist nach der gesunden Anschauung des Volkes der Sinn der Ehe erfüllt. Mancherorts durfte der Titel "Frau" erst von diesem Zeitpunkt an getragen werden. Für die Gebärende ein Übergang in einen neuen Lebensabschnitt und zur Gemeinschaft der Mütter, für die Sippe die Anknüpfung einer neuen Geschlechterkette, für das Kind der Eintritt ins Leben, bringt die Geburt alle die volksgäubigen und kirchlichen Bräuche in Anwendung, mit denen unheilvolle Zeichen, Dämonen und Schadensmächte aufgehalten und das Leben, Glück und Gesundheit gesichert werden.

Als Vorzeichen der Geburt gelten nächtliche Geräusche von rieselndem Wasser, platzendem Faßreifen, fallendem Holzstoß. Vor Kinderohren wird eine Geburt umschreibend berichtet: bei N.N. ist der Ofen zusammengefallen; es hat einen Rumpler getan (Vorarlberg). Um Hexen jede Macht über das Kind zu nehmen, darf man nichts aus dem Hause leihen und soll eiserne Werkzeuge oder gekreuzte Besen auf die Schwelle legen.

Wenn die Wehen kommen, ist alles auf die magische, religiöse und volksmedzinische Erleichterung der Geburt gerichtet. Die alten Nordgermanen sprachen Zauberrunen und sangen Lieder. Sie legten die Kreißende auf die (mütterliche) Erde. In "mystischer Partizipation" öffnet sich der Mutterschoß, wenn alle Schlösser, Türen, Knoten an Schuhen und Schürzen geöffent werden, wenn Erbsen gekocht werden, bis sie quellen. In der Antike galt der Glaube, man verhindere die Geburt, wenn man bei der Kreißenden mit überschlagenen Füßen oder verschränkten Fingern sitze. [...] soll der Mann im Hof etwas zertrümmern, wie er auch sonst als Stellvertreter der Gebärenden erscheint. [...]


 




Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. April 2011 um 05:03 Uhr
 

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