Volksglaube & Brauchtum rund ums Wochenbett PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 14. April 2011 um 20:54 Uhr

Kindbettszene einer Königin - 1477, Holzschnitt

 


 

Dass früher sehr viele Frauen im Kindbett starben oder auch das Neugeborene mitunter nur kurze Zeit überlebte wurde aus Unkenntnis vor allem dem Bösen selbst zugeschrieben. Vielerorts galt eine Frau während der Zeit Wochenbettes obendrein als unrein im christlichen Sinne. Deshalb gab es ein ganzes Regelwerk an Maßnahmen um die junge Mutter und ihr Neugeborenes zu schützen. Zum Beispiel trug die Kindbetterin von der Geburt bis zu ihrer Aussegnung am Ende des Wochenbettes einen Ring, der die beiden vor dem Bösen Blick bewahren sollte. Auch die Unterlassung von bestimmten Tätigkeiten gehörte dazu ...

alter Spruch hinsichtlich Wöchnerinnen-Tabus:

'Wenn ein Weib in ihren Sechswochen spinnet,
es mag seyn Wolle, Hanf oder Flachs,
so versursacht sie hiermit,
daß ihr Kind gehenkt wird.'

Zu den Auflagen, die eine Wöchnerin streng zu beachten hatte,
gehörte u.a. folgendes:

  • nicht das Haus oder den Hof verlassen
  • nicht in den Keller oder auf den Dachboden gehen
  • nicht über die Straße oder den Kreuzweg gehen
  • nicht zu den Nachbarn gehen
  • nicht spinnen
  • keinen Wein zapfen
  • keine Früchte einkochen

 

Starb eine Frau während der Zeit des Kindsbett wurde sie selten auf dem Friedhof beigesetzt, damit der geweihten Boden nicht durch sie verunreinigt werde - eine quasi Gleichstellung mit Ungläubigen. Mancherorts wurde das Grab einer im Kindbett verstorbenen Frau auch mit einem weißen Tuch bedeckt, damit sie nicht wieder von den Toten auferstehe. Und andere Frauen sollten auf gar keien Fall über ein solches Grab steigen. Im Gegensatz dazu wurde in manchen Regionen wiederum eine verstorbene Wöchnerin wie eine Jungfrau behandelt.

Zum Brauchtum hinsichtlich Wochenbett gehören auch die kirchliche Aussegnung
und das regional übliche Verschenken von Wochenbettgebildebroten.

Vom sogenannten Männerkindbett hingegen
finden sich im deutschen Brauchtum nur schwache Spuren ...

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 16. April 2011 um 13:55 Uhr
 

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