Schwangerschaft & Geburt bei den Trobriandern PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 04. September 2009 um 15:23 Uhr

Im Südpazifik beim Stamm der Trobiander

auf den Trobriand-Inseln / Papa-Neuguinea und in Melanesien

tragen die schwangeren Frauen einen besonderen Mantel ...

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Die Trobriander glauben ebenfalls daran, dass ihre Frauen von Balomas - den Ahnengeistern von Verstorbenen - befruchtet werden und diese die wahren Väter der Kinder sind, während der Mann durch das körperliches Eindringen mit seinem Glied lediglich die Frau für das befruchtende Eindringen des Geister vorbereitet. Damit erklären sie sich jedenfalls auch, warum Frauen nie vor ihrem ersten Geschlechtsverkehr schwanger werden ...
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.. Sie sind aber außerdem auch davon überzeugt, dass der Mann dem Kind durch den Beischlaf seine Gesichtszüge aufdrückt, wodurch er nach der Geburt eine Zuneigung zu dem Kind seiner Frau empfinden kann.
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zwei schwangere Trobianderfrauen im SayleukoErwartet eine Frau ein Kind, trägt sie einen Saykeulo, einen Schwangerschaftsmantel, der während der Schwangerschaft und teils auch noch nach der Geburt von der Frau getragen wird. Es ist vor allem ein rituelles Kleidungsstück und wird von den Verwandten der Schwangeren angefertigt - dabei sprechen sie magische Formeln in die Fasern, damit die Geburt glücklich verläuft.

Für die aufgewandte Mühe müssen die Verwandten von der Schwangeren später mit einem Segali (auch: Sagali) - einem festlichen Essen - entlohnt werden. Das Essen wird dabei in bestimmten Personen (die den Saykeulo gefertigt haben) zugeordnete Protionen aufgeteilt, deren Name laut ausgerufen wird, bevor sie es erhalten.
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Bevor die schwanger gewordene Frau die Kleidung anlegt, muss sie sich einem anstrengenden Reinigungsritual unterziehen, währen dem sie. den Boden nicht direkt mit Füßen berühren darf - zur rituellen Waschung wird sie von zwei Frauen an eine Wasserstelle  getragen und während der Reinigungsprozedur steht sie auf einer Pflanzenfasermatte. Anschließend wird sie weiß gepudert und auf eine Art Plattform gestellt, auf der sie dann den Rest des Tages regungslos verweilt und während der ganzen Zeit weder sprechen noch Gefühle zeigen darf. Essen und Trinken bekommt sie verabreicht, damit sie diese nicht mit ihren Händen berührt. Einzig um sich Gesicht und Arme zu waschen, darf sie sich bewegen. Dazu bringt ihr entweder ihr Ehemann Wasser in einem Holzzuber oder sie wird wieder von Frauen zur rituellen Wasserstelle getragen. Am Abend darf sie sich in der Hütte ihres Vaters niederlegen und erholen. Das Prozedere der schweigsamen Unbeweglichkeit auf der Plattform wird drei bis fünf Tage wiederholt (je nach Rang und Stellung der Frau und ihres Ehegattens in der Gemeinschaft) - heute wird aber allgemein 1 Tag als ausreichend betracht.
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Pragmatisch dient der Saykeulo als Schutz vor der heißen Sonne und soll ihre Haut heller werden lassen. Darüber hinaus zeigt er ja ihren Zustand an und, dass sie für das übrige männlichen Geschlecht nicht mehr zur Verfügung steht.

Wird die Frau im Verlauf ihrer Schwangerschaft runder, darf sie auch mit ihrem Mann keinen Geschlechtsverkehr mehr haben - diese Inselbewohner sind nämlich der Meinung, dass der Penis das Ungeborene töten könne.
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Ansonsten verläuft das Leben der schwangeren Frau wie gewohnt weiter, sie sprich, sorgt für den Haushalt, geht Wasser holen, macht Feuer, sie kocht und arbeitet auch weiterhin im häuslichen Garten. Allerdings wäscht sich nun sehr oft und ölt sich täglich mit Kokosnussöl ein.
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Die letzten zwei bis drei Monate verlässt die Hochschwangere ihren Ehemann und zieht bis zur Geburt in das Heim ihres Vaters, Bruders oder ihrer Mutter. Diese sollen helfen, die Schwangere vor bösem Zauber schützen. Um negativen Zauber von der Schwangerschaft abzuwenden bereitet der werdende Vater oft auch ein spezielles Essen zu oder sucht besonders wertvolle Nahrungsmittel aus und legt diese/s vor die Hütten von Frauen, die für ihre schwarzmagischen Kräfte bekannt sind.
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Zur Geburt geht es dann folgendermaßen zu:


Fühlt die Frau die Geburt nahen, müssen zunächst alle männlichen Angehörigen das Haus verlassen.
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.. Dann hockt sich diie Gebärende sich auf ein erhöhtes Bett. Und unter diesem wird ein Feuer entzündet - was dazu beitragen soll, das Blut flüssiger zu machen. Wenn die Presswehen einsetzen, stellt sich eine Angehörige (meist eine Schwester) hinter die Schwangere. Abwechselnd  klopft sie ihr auf die Schultern, schüttelt sie heftig oder drückt sie herunter - was den Geburtsprozess beschleunigen soll. Die Mutter der Kreißenden steht bereit, um das Baby in Empfang zu nehmen. Bei der Geburt selber wird manuell nicht nachgeholfen, das Kind wird also nicht herausgezogen. Die Gebärende versucht lediglich durch Herunterdrücken der Atemluft in den Unterleib und Luftanhalten während des Pressens das Baby heraus drücken. Erst wenn das Baby auf die Matte "gefallen" ist, wird es auf und in Empfang genommen. ..
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Ist eine Geburt außergwöhnlich anstrengend, wird das bösen Kräften zugeschrieben und es muss jemand herbeigeholt werden, der die heilenden Sprüche zum Abwenden des Übels kennt. Die Gebärende wird dazu mit Blättern der Kwebila-Pflanze abgerieben, die vorhab mit Zaubersprüchen besprochen wurden.

Nur in den allerschwersten Fällen wir manuell nachgeholfen - leider aber meist sehr dilettantisch.
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Kommt die Nachgeburt nicht von allein heraus, wird ein Stein an das Nabelende der Mutter gebunden und die Frau muss sich hinstellen, damit die Nachgeburt herausrutscht, dazu werden Beschwörungsformeln aufgesagt. Hat auch das keinen Erfolg, ist die Frau in aller Regel verloren - die Trobriander haben keine Ahnung, wie die Nachgeburt sonst entfernt werden kann.
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... und nach der Geburt:

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Drei Tage nach der Geburt des Kindes entfernt eine Angehörige der jungen Mutter den Nabelschnurrest vom Säugling. Er wird zusammen mit der Nachgeburt im Garten vergraben - im Glauben daran, dass das Kind dadurch ein guter Gärtner wird.

Bald nach der Geburt wird ein Seil geknüpft und zum Schutz um die Brust der Mutter gewickelt.

Die junge Mutter verbleibt vorerst in der Hütte der Verwandten, wo sie entbunden hat. Den ersten Monat verbringt sie mit ihrem Baby auf der erhöhten Bettstatt, mit dem darunter brennenden Feuer. Das geschieht teils aus hygienischen, aber vor allem aus magischen Gründen., denn dem Rauch wird eine unterstützende und prophylaktische Wirkung zum Abhalten von bösem Zauber zugesagt. Während dieser Genesungsphase ist es Männern nicht erlaubt, die Hütte zu betreten, da die Frau nackt ist.
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Nach Ende des ersten Monats wird eine weitere Zeremonie abgehalten., in der es darum geht, die Haut der Mutter noch weißer werden zu lassen -  was als gutes Omen und Schutz gilt.  An zwei Tagen in Folge werden unter Beschwörungsformeln weiße Lilien und trockenes Holz verbrannt und die Frau wird in den Rauch des schwelenden Bündels eingehüllt. Anschließend dreht die Frau mit ihrem Baby eine Runde durch das Dorf, wo sie von Angehörigen und Freunden eine kleine Essensgaben als Geschenk erhält.

Anschließend ziehen sich Mutter und Kind für einen weiteren Monat in eine andere Hütte zurück. Während dieser Zeit dürfen sich die Eheleute  zwar wieder sehen und sprechen, aber nur flüchtig an der Tür. Auf gar keinen Fall dürfen sie zusammen essen oder die Speise des anderen berrühren.
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Sexueller Verkehr ist dem Paar erst wieder erlaubt, wenn das Kind laufen gelernt hat - nach einer noch strengeren Regelung, erst wenn das Kind der Brust entwöhnt (also nach ca. 2 Jahren) ist. Das gilt auch für den Mann, selbst wenn er mehrere Frauen besitzt. Wird diese Regel gebrochen, kann das nach dem Glauben dieser Inselbewohner den Tod des Kindes herbeiführen.
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(Quellen: 1. - Abenteuer Südsee, Wolfgang M. Ebert, Umschau-Verlag, 1991, S.21-23 und S.85-86
2. - The sexual life of savages in north-western Melanesia, Bronislaw Malinowski, 1.Publikation: 1929,
Neuauflage: 2002, Routledge, ISBN 0-415-26248-8)

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 24. März 2011 um 01:38 Uhr
 

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